Einige Aspekte der Arbeit
Schafe sind zahlenmässig am besten
vertreten auf dem Hof von Leyssart. Sie sind in verschiedene Herden aufgeteilt
und und mehr als dreiviertel der Arbeitskräfte sind darauf konzentriert.
Wir haben uns für extensive Landwirtschaft entschieden und benutzen die Felder unserer Örtlichkeiten ohne chemische Hilfsmittel. Die meisten Tiere müssen sich ihr Futter selber suchen. Um mit diesem System Erfolg zu haben, versuchen wir das Gras in seinem optimalsten Wachtumsstadium zu benützen. Aus dem gleichen Grund wird auch grosser Wert auf die Heusaison gelegt. Komplementärfutter wird nur an Tiere verteilt, die besondere Bedürfnisse haben , wie zum Beispiel Schafe mit Zwillingsgeburt.
Die grösste Herde weidet zumeist eingezäunt in Elektronetzen (Filets, die zweimal pro Tag umgesteckt werden). Dieses System, welches eine Rationierung der Futtereserven ermöglicht, zeigt eine aussergewöhnliche Wirkung auf die Felder, da alle Grasarten gleichzeitig gefressen werden. Auf Brachland ist die Regenerierung der Flora spektakulär. « Noble » Futtergräser sowie seltene Pflanzen (z.B. Orchideen) brauchen zumeist Licht um wachsen zu können, und werden von altem Gras das weder geweidet noch gegrast ist erstickt.
Wenn die Herde nicht eingezäunt ist, werden die Schafe von einem Hirten betreut. Aus Erfahrung können wir sagen, dass es keine bessere Haltungsart gibt : der Hirte sucht sich seine Weiden aus, auf seinem täglichen Parcours kann er für ausgeglichene Nahrung sorgen, er kann Randgebiete benutzen, deren Futterressourcen ohne ihn ungenutzt blieben, wie zum Beispiel Eicheln an Wegrändern im Herbst. Je nach Wetter wird er feuchte Weiden meiden, um an einem sonnigen, windigen Tag darauf zurückzukommen. Sein Wissen setzt sich aus tausend kleinen Dingen zusammen, manche von anderen Hirten gelernt, andere entdeckt bei der Beobachtung seiner Herde. Ein Hirte ist der ewige Lehrling seiner Schafe.
Unsere Tierhaltungssysteme fordern viele Arbeitskräfte
und ist sehr zeitaufwendig. Wir sind gegen eine moderne Tendenz, die die Tiere gerne auf grossen
Gebieten sich selbst überlassen sähe, denn dies ist die Sicht von Nicht-Bauern, die,
sicher in bester Absicht, Lösungen für die Probleme heutiger Landwirtschaft suchen.
Wir denken, dass die Erfolge solcher Versuche sehr begrenzt sind, zumindest bei den meisten
Schafrassen.
In unserer europäischen Gesellschaft haben die Menschen, wie fast überall
auf der Welt, viel Zeit mit Tieren, die allgegenwärtig waren, verbracht. Tiere haben unsere
Art zu sehen und zu fühlen geprägt. Ihr Verschwinden hat besonders für die Transitgeneration
eine Leere hinterlassen. Menschen, die sich in dieser Gesellschaft unwohl fühlen, oder
ihren Platz nicht so recht finden, können im Kontakt mit Tieren eine gewisse Ausgeglichenheit
erleben. Fast könnte man sagen :
« Tiere sind unsere kulturelle Verbindung zur Natur ».
In diesem Sinn bietet die « Ferme Conservatoire » Praktika für alle interessierten Leute an, die Erfahrungen mit den alten Tierhaltungsmethoden machen wollen oder auch vertiefte Lehrgänge, für Leute die's wirklich wissen wollen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, denn dieses Leben verlangt vielmehr nach persönlichen Qualitäten (Stille, in sich hineinhören können, Suche nach einem gewissen Geistesszustand, um Zeit, Freiheit, Selbstaufgabe und ein persönliches Weiterkommen neu definieren zu können). Die Praktikant(inn)en bekommen Kost und Logis gegen eine effiziente Mitarbeit auf dem Hof.
Die « Ferme Conservatoire » interessiert sich auch für die Evolutionsgeschichte, in der Befürchtung, das manch einfache Lösung im Laufe der Zeit vergessen wurde. Wir experimentieren mit archaischen Tierhaltungsmethoden wie zum Beispiel die gemischte Haltung verschiedener Tierarten in der gleichen Herde (Schafe, Ziegen, Esel) oder das Nomadenleben (Rundreise von mehreren Monaten mit der Herde, Nutzung von verlassenem Brachland, Stoppelfeldern, Wald, Winterweiden, usw.)
Die Erhaltung einer Rasse mit kleiner Bestandeszahl
Damit eine Rasse stark ist, widerstandsfähig gegen Krankheiten, produktiv und im Vollbesitz all seiner Zuchtqualitäten, braucht sie eine grosse genetische Vielfalt, das heisst, auch wenn sich alle Tiere einer gleichen Rassen ähnlich sehen sollen, brauchen sie dennoch genug Unterschiede, damit sich im Vermehrungsprozess die Gene so verbinden können, um einen neuen Organismus zu schöpfen. Je mehr Unterschiede zwischen den Eltern bestehen, umso mehr Lebenskraft wird das Junge aufweisen. Die Kraft baut sich auf der Vielfalt auf, dies ist eines der Geheimnisse des Lebens.
Somit ist eine wichtige Voraussetzung in den Programmen zur Erhaltung alter Haustierrassen, die Ermöglichung der Vermehrung möglichst vieler Individuen.
Auf der « Ferme Conservatoire » hatten wir nicht die Möglichkeit, komplizierte Strukturen mit überwachter Vermehrung aufzubauen. So haben wir uns für eine relativ einfache Methode entschieden, die daraus besteht, viele, mehr als üblich, männliche Tiere zur Befruchtung zuzulassen. Ein Beispiel für die « landaise » Schafe : Auf 120 weibliche Schafe kommen 14 männliche in freier Befruchtung (7für die erste Hälfte der Brunft, 7 für die andere Hälfte)
Mehrere Jahre Erfahrung haben gezeigt, dass dieses System gute Resultate erzielt, die früheren Inzuchtprobleme der Rasse sind verschwunden.
Das sind die Widder der « Landaise » Rasse, die 1998 im Einsatz waren. Aus den Fotos geht hervor, dass diese Rasse soviele genetische Verschiedenheiten aufweist, dass man eher von einer Artengruppe sprechen könnte.
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Eine Hypothese : Es könnte sein, dass sich ein Weibchen, das zum Zeitpunkt des Eisprungs von verschiedenen Männchen besprungen wird, das am genetisch weitesten entfernte Sperma aussucht. Diese Theorie liesse durchblicken, dass das Ei eine gewisse Wahlmöglichkeit hat, und dass die Natur viel weniger zufällig ist, als man allgemein annimmt.